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Vor der Behandlung steht die Diagnose. Diese muss histologisch durchgeführt sein. Das bedeutet es muss ein Gewebsstück der Brustveränderung gewonnen werden und vom Pathologen eindeutig als Brustkrebs identifiziert werden.  Meist wird während einer Operation gleich der gesamte Tumor an der Brust entfernt und noch während der Narkose vom Pathologen mit einem sogenannten Gefrierschnitt untersucht.  (Gefrierschnitt bedeutet, daß der gerade vom Gynäkologen entfernte Tumor in flüssigen Stickstoff gelegt und "schockgefroren" wird. Dann werden eine oder mehrerer mikroskopische dünne Scheiben heruntergeschnitten und vom Pathologen befundet).
Sollte nun der Gefrierschnitt die Diagnose "Brustkrebs" ergeben, kann der Operateur die sich daraus ergebenden weiteren Schritte durchführen:
1. Entfernung des Tumors "im Gesunden".
2. Beurteilung des etwaigen Befalls von Lymphknoten in der Achselhöhle.

Eine alternative Möglichkeit schon präoperativ zu einer exakten Diagnose eines verdächtigen Herdes an der Brust zu kommen ist die sogenannte Stanzbiopsie. Hierbei wird meist unter Bildwandlerkontrolle und lokaler Betäubung eine dickere Nadel zur Gewinnung eines ca. 1 mm breiten und 1 bis 2 cm langen Gewebezylinders verwendet (siehe auch Bilder unter dem Kapitel Diagnose!). Diese Methode ist zwar oft etwas unangenehm ermöglicht aber eine bessere Operationsplanung und verkürzt die Operationszeit um ca. eine halbe Stunde (= solange dauert es normalerweise bis zum Ergebnisses des Gefrierschnittes)

Die weitere operative Vorgehensweise ist bei beiden Methoden gleich:
1.Der Tumor muß komplett inklusive gesunden Randsaum entfernt sein (In ungefähr einem Drittel der Fälle ist dies nur durch die Entfernung der gesamten Brust möglich!)
2. Der mögliche Lymphknotenbefall in der Achselhöhle muß operativ abgeklärt werden.

Die Beurteilung der axillären Lymphknoten war bis vor kurzer Zeit nur durch deren Entfernung möglich. In letzter Zeit setzt sich jedoch immer mehr das Konzept des "Sentinel" durch.

Der Sentinel (=Wächterlymphknoten) ist der erste Lymphknoten im Einzugsgebietes des Tumors. Es ist also naheliegend davon auszugehen das dieser Lymphknoten als erstes von Metastasen befallen werden würde. Umgekehrt heißt dies, wenn dieser Lymphknoten keine Metastasen aufweist sind auch die nachfolgenden Lymphknoten in der Achselhöhle frei von Tumorbefall! Ein tumorfreier Sentinel gibt dem Arzt somit die Möglichkeit auf eine Operation der restlichen Anteile der Achselhöhle zu verzichten!  Zeigt der Sentinel jedoch Tumoranteile muß natürlich so wie früher die ganze Achselhöhle operiert werden.

Wie kann dieser Sentinel nun aber vom Arzt erkannt und aufgefunden werden?
Der Tumor gibt seine Tumorzellen mit Hilfe von Lymphbahnen weiter die zu den Lymphknoten in der Achselhöhle führen. Wird nun eine Blaulösung in, oder in der Nähe des Tumors gespritzt erscheint der erste Lymphknoten (=Sentinel) nach wenigen Minuten bläulich.
Ebenso ist es möglich Eiweißstoffe die an 99mTC-tetrofosmin (=radioaktiver Tracer) gekoppelt sind im Bereich des Tumors zu spritzen. Diese radioaktiv markierten Eiweißstoffe wandern nun langsam entlang der Lymphgefässe vom Tumor zur Achselhöhle und versammeln sich im Sentinel. Dieser kann dann mit einer "Gamma-sonde" (= Geigerzähler) auch schon durch die Haut der Patientin anhand seiner Radioaktivität erkannt werden.

Neben der oben beschriebenen operativen Behandlung kann es sein daß eine Frau mit Brustkrebs auch andere Behandlungen braucht. Ob das der Fall ist entscheiden die Prognosefaktoren. Diese lassen geben dem Arzt die Möglichkeit die Gefährlichkeit der Brustkrebserkrankung richtig einzuschätzen und die weitere Therapie individuell anzupassen.

Prognosefaktoren sind:
1. Größe des  Tumors (bei mehreren Tumoren an einer Brust zählt der Größte)
2. Grading (unterteilt von 1 bis 3, und bedeutet die "Unruhe" oder "Aggressivität" der Tumorzellen)
3. Lymphknotenbefall ( je mehr befallen umso ungünstiger)
4. Hormonrezeptorstatus

Die menschliche Brust wir in ihrer Funktion von Hormonen gesteuert. So wachst die Brust in der Schwangerschaft durch den Einfluß der Östrogene. Sie verändert sich sogar mit jedem Zyklus und "spannt" meist kurz vor Eintritt der Menstruationsblutung. Dies Hormonwirkung wir durch "Rezeptoren" (=Empfangsstellen) an der Oberfläche der Zellen vermittelt. Wenn eine Brustkrebszelle auch noch dies  Rezeptoren aufweißt bedeutet es daß diese Krebszelle noch der ursprünglichen gesunden Brustdrüsenzelle gleicht und meist weit weniger aggressiv ist.
Hormonrezeptor positiv ist also günstig, Hormonrezeptor negativ ungünstig für die weitere Prognose.

Was für weitere Therapiemöglichkeiten gibt es nun?
1. Strahlentherapie
2. Chemotherapie
3. Anti-hormontherapie

Die Strahlentherapie wird immer dann verwendet wenn die Brust erhalten werden konnte um das Wundbett indem der Tumor lag zu behandeln. Dadurch kann verhindert werden, daß irgendwelche vermeintlich zurückgebliebenen Krebszellen weiterwachsen und sich im Körper verbreiten.

Chemotherapie
wird dann notwendig, falls die Prognose der Erkrankung nicht ganz ausgezeichnet ist. Dadurch kann die Chance für die Patientin wieder komplett gesund zu werden deutlich gesteigert werden. Meist wir die Chemotherapie einmal im Monat als Infusion verabreicht und dauert ca. ein halbes Jahr.

Anti-hormontherapie betrifft vorwiegend hormonrezeptor-positive Patientinnen mit günstigerer Prognose. Meist wird in Form von einer Tablette täglich für ca. 5 Jahre behandelt. Besonders wirksam ist diese Therapie bei Frauen nach dem Wechsel. Es wird dadurch nicht nur die aktuelle Krebserkrankung behandelt und die Überlebenschance verbessert ;sondern es werden zum Teil auch neue, zukünftige Brustkrebserkrankungen an der zweiten Brust in nahezu  50% verhindert.